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19.02.2014, 10:44 Uhr
Sind das 'C' - Religion und Kirche noch zeitgemäß?
Eine Anfrage an den Zeitgeist
Darauf sucht ein Workshop unserer Partei eine Antwort zu finden.
Aus der Sicht des EAK gibt es darauf nur eine Antwort:
„Ja“! Wer daran zweifelt und zur Verneinung neigt, muss Alternativen aufzeigen. Bringen uns am Zeitgeist orientierte Veränderungen tatsächlich voran?
 Was also ist „zeitgemäß“?
Die Blicke unserer Gesellschaft richten sich zunehmend auf die Moderne, auf das Hier und Heute. Christlich– religiöse Wertgrundhaltungen geraten
immer mehr in den Hintergrund. Dies zu einer Zeit, da erfreuliche, ebenso unerfreuliche Ereignisse der Geschichte ins Bewusstsein der heutigen Öffentlichkeit gerufen werden. Doch finden sie in dieser Zeit die ihnen gebührende Beachtung und werden sie in ihrer Bedeutung noch wahrgenommen? Vor allem ist zu fragen:

Was bedeuten uns heute
Erinnerungen für die politische Gegenwartsgestaltung

im Allgemeinen und für die nach 1945 neu gegründeten Unionsparteien  von CDU und CSU im Besonderen? Mit Beginn dieses Jahres werden wir an folgende Geschichtsdaten der Vergangenheit erinnert:
1914 vor 100 Jahren Ausbruch des ersten Weltkriegs, der bis zum Herbst 1919 andauerte. Die anfängliche nationale Begeisterung ist mit Kriegsende der vollständigen Ernüchterung und Erschöpfung gewichen gewichen. Die grundlegend folgende Neuordnung Deutschlands mit der Weimarer Republik scheiterte später.
1939 vor 75 Jahren Ausbruch des zweiten Weltkriegs. Am 1. Sept. 39 verkündete Hitler vor dem Reichstag der Öffentlichkeit den Beginn dieses Krieges. Sein erklärtes Ziel war es, den deutschen „Lebensraum“ unter allen Umständen zu erweitern.
Er endete 1949 mit der totalen Kapitulation des Deutschen Reiches.
1949 vor 65 Jahren Entstehung und Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland mit der Verabschiedung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 und der ersten Wahl zum Deutschen Bundestag.         
Es war der Neubeginn einer parlamentarischen Demokratie mit einer freiheitlich - rechtsstaatlichen Grundordnung,
die uns bis in die Gegenwart hinein Freiheit in Sicherheit gewährleistet hat.
1999 vor 25 Jahren Fall der Berliner Mauer und Zusammenbruch der DDR, der zur Wiedererlangung derFreiheit für alle Deutschen in 1990 führte.

Erinnerungswürdig bleibt auch für immer die Zeit nach 1945
Nach der Kapitulation am 08. Mai 1945 stand Deutschland o h n e staatliche Gewalt dar. Die Siegermächte übten die uneingeschränkte Hoheitsgewalt über unser Volk aus. Sie sahen ihre Aufgabe darin, eine nochmals von Deutschland ausgehende Kriegsgefahr für alle Zeiten unmöglich zu machen. Langsam erst kam es unter den alliierten Mächten zu einer Nachkriegsordnung mit der Wiederzulassung politischer Parteien in den drei Westzonen. Unter Ihnen sollte eine Demokratie von unten nach oben entstehen. Dies machte den Weg frei, für eine schrittweise Neuzulassung und Neubildung eines demokratischen Parteienwesens. Parteien wie die SPD und Liberalen konnten auf gewachsene Strukturen der Weimarer Zeit zurückgreifen. Daneben setzte sich unter Bürgern die Überzeugung durch, dass nach dem Scheitern der Weimarer Republik eine Neuordnung n u r auf c h r i s t l i c h e r Grundlage möglich sei. Um in dieser Phase der Neuorientierung eine erneute Splitterparteienbildung zu verhindern, kam es zur

Gründung der CDU und der CSU als interkonfessionelle Parteien.
Die katholisch ausgerichtete Zentrumspartei blieb ebenso wie andere kleinere Parteien aus der Weimarer Zeit als Splitterparteien ohne Einfluss. CDU und CSU sahen sich von Beginn an Vorbehalten ausgesetzt, sie könne sich als die Partei der Christen verstehen. Es herrschte der Eindruck vor, CDU/CSU seien eine von Katholiken dominierte Partei in der die Protestanten in eine Minderheitenposition gedrängt würden. Dem traten die Unionsparteien mit dem im Jahre 1952 gegründeten Evangelischen Arbeitskreis von CDU und CSU entgegen, der den Positionen der Protestanten in der CDU Rechnung tragen und die Verbindung zu evangelischen Christen/Kirche halten sollte.
Auf dieser Grundlage hat sich die Union eine Parteiprogrammatik geschaffen, mit der sie sich das Vertrauen der Wahlbürger über Jahrzehnte erworben hat und zu einer festen Säule im Parteienwesen der
Bundesrepublik Deutschland werden konnte. Sie hat einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung unserer rechtsstaatlichen parlamentarischen Demokratie seit 1949 geleistet. So ist die CDU weiterhin „zeitgemäß“!
Darauf dürfen wir Mitglieder der CHRISTLICH DEMOKRATISCHEN UNION in aler Bescheidenheit und trotz aller Unvollkommenheiten hinweisen und aufzeigen,
               woher die Union kommt und warum die
               Gründungsväter sich für das „C“ im Namen der Partei

entschieden haben.
Auch daran ist nach 65 Jahren zu erinnern.

Sind solche
Rückbesinnungen für die heutige Politikbetrachtung von Interesse?
Können wir solche Rückblicke in unsere Geschichte, besonders diese, ignorieren und so tun als seien sie für uns heute ohne Belang, ja, doch nur Schnee von gestern, wie man Vergangenes heute abzutun geneigt ist? Erleben wir nicht fortgesetzt eine Welt mit zahlreichen Krisengebieten, mit Terror und Gewalt, die uns Sorge um die friedliche Zukunft in Freiheit und Sicherheit bereiten muss? Wenn es zutrifft, dass Fehler der Geschichte sich wiederholen, dann haben Erinnerungen an unsere Geschichte einen tiefen Sinn.
Erinnerungen an Geschichtsvorgänge sind eine ständige Mahnung an die Gegenwart. Auch in Europa kam es in der Vergangenheit immer wieder zu politischen Fehlbeurteilungen und zwischenstaatlichen Spannungen. Von daher war es das langfristig erstrebenswerte Ziel deutscher CDU Politik der Nachkriegszeit, Europa zu vereinen. Wie steinig dieser Weg ist, zeigt jüngst das Ergebnis der Schweizer Volksbefragung über die Zuwanderung von Bürgern in deren Land. Das ausgelöste Echo der Skeptiker innerhalb Eurooa nährt Befürchtungen um den Ausgang der bevorstehenden Europawahl und daraus entstehenden Folgerungen im Mai. Lauern hier neue Risiken und können diese Tendenzen unsere Gesellschaft von morgen wieder verunsichern?

Worauf haben sich jetzt die politischen Blicke zu richten?
Gerade in schnelllebigen Zeiten fortgesetzten dramatischen gesellschaftlichen Wandels, wie der unsrigen mit vielfältigen Problemen und immer neuen Herausforderungen ist es nötig, sich immer wieder neu der eigenen W e r t g r u n d l a g e n immer wieder neu zu vergewissern. Für uns im EAK lässt sich dies mit unserer über sechzig Jahre währendes politisches Engagement seit seiner Gründung in einem zentralen Begriff zusammenfassen, nämlich dem

          der evangelischen Verantwortung vor Gott und den Menschen.

Vor 60 Jahren fast noch unmittelbar nach dem Ende des zweiten Weltkrieges – stand einer ganzen Generation noch dramatisch und traumatisch vor Augen, wohin eine

          von Gott getrennte, menschenverachtende und totalitäre Politik
          geführt hatte: nämlich in die absolute Katastrophe und in den
           totalen Nationalen Untergang!“

Als die Gründungväter und Mütter der CDU noch inmitten der Trümmer und Verwüstungen des Jahres 1945 davon sprachen, dass eine neue Ordnung in demokratischer Freiheit n u r entstehen könne, wenn man sich auf die
„Kultur gestaltenden sittlichen und geistigen Kräfte des Christentums“ besinnen würde. Für Gründungsinitiatoren der CDU sollte die Verantwortung vor Gott und den Menschen zum selbst verpflichtenden Maßstab einer neuen politischen Kultur im Zeichen des Schutzes der Achtung und Beförderung der Rechte und der Würde eines jeden Menschen werden.
Was für ein
           ambitioniertes Ziel der neuen politischen Kraft, der CDU !!
           Was für ein Zeichen von Hoffnungskraft und Neubeginn in
           der Stunde „Null“ des Jahres 1945

wo noch das Chaos von Schuld und Schande herrschte!! Insoweit stellt sich heute –und hoffentlich auch in Zukunft – die Frage, ob das ‚C’ im Namen der Partei und als Partei noch zeitgemäß ist, nicht.

Wer sich in der Welt umsieht,
wird an den weltweit zahlreichen Religionskriegen nicht vorbeisehen können. Dem können die makaberen Christenverfolgungen und – tötungen in aller Welt nicht unberührt lassen. Dazu zählt gleichermaßen die weltweit
zunehmende Missachtung der Religionsfreiheit, die nach der Menschenrechtskonvention aus dem Jahre 1948 ein verankertes Menschenrecht ist, das es zu achten und zu verteidigen gilt.

Religion und Kirchen wirken in vielfältigen Gruppierungen zum Wohle des Gemeinwesens. Aufgrund spezifischen Staatskirchenrechts wirken sie öffentlich und nehmen die ihnen zufallenden Aufgaben wahr. Dazu zählen alle kirchlichen Grundvollzüge, wie da sind: Verkündigung, Gottesdienst mit Liturgie und Diakonie, soweit diese Dienste sich nicht vom Zeitgeist und den Strömungen der Moderne vereinnahmen lassen. Politische Streitfragen berühren nur im Grenzfall den Kern des christlichen Glaubens. Unter diesen Vorzeichen bleiben Religion und Kirchen zeitgemäß und gehören zu unserer Demokratie und zu unserer Gesellschaft.

Politik und Kirche, christlicher Glaube und das konkrete Handeln von Christen in der Politik haben immer eine öffentliche Dimension. Christliches Leben beschränkt sich nicht – wie manche in neuerer Zeit zu glauben meinen oder gar lautstark fordern – auf den Bereich einer isolierten Innerlichkeit. So ist Religion und christlicher Glaube keineswegs Privatsache der Bürger. Vielmehr stehen politische Aktionen und christliche Betrachtungen in einem ständig öffentlichen Wechselverhältnis und unterliegen dem ständigem Wandel und laufender Veränderungen. Sie sind immer wieder neu in den Blick zu nehmen, um die jeweiligen Zeichen der Zeit zu erkennen und sie im Lichte des Evangeliums zu deuten.
aktualisiert von Hans Bleckmann, 19.02.2014, 13:26 Uhr