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02.05.2014, 20:01 Uhr
Europa wählt - aber
"w a s" hält Europa zusammen?
Zu verstehen und aufzunehmen, was alles zu Europa gehört, setzt in die Tiefe gehende Betrachtungen der Geschichte voraus. Europa ist noch immer - manchmal ohne es in unserer Generation bewusst wahrhaben zu wollen - "christlich" Es prägte die Kultur, das Denken und die Mentalität. Nach vielen  Epochen der wechselvollen Irrungen auf diesem Kontinent hat die EU - Entwicklung schließlich zu Einigkeit und Recht und Freiheit, Frieden und Wohlstand geführt.
Das gilt es bei der Europa Wahl zu bedenken.



Aber "w a s" wählen wir?
Die Ausweitung einer ausufernden Bürokratie? Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der EU-Staaten und die soziale Sicherheit der EU – Bürger? Wie soll die europäische Integration weiter verlaufen? Welche Institutionen mit welcher Legitimation sollen den Rahmen des gemeinsamen Marktes bilden und fortentwickeln? Die Beibehaltung oder die Abschaffung des Euro? Den Verbleib in Europa oder den Rückzug in den nationalen Staat? Die weitere Förderung der politischen Einigung zur Sicherung der Freiheit und Sicherheit in Frieden? Die Stärkung und Stabilisierung der Rechtsstaatlichkeit und Demokratie Europas? Sind Euroskeptiker mit ihrer Strategie „gegen alles“ eine vertrauenswürdige Alternative? Stellt ein Rückzug ins Nationale, der ein Irrweg sein wird, Europa vor ganz andere Fragen? Trägt die Formel von den „Vereinigten Staaten von Europa“ oder ist ein anderes Zukunftsbild von Europa zu zeichnen?
Die in den nächsten Wochen hervortretende anti-europäische Rhetorik und Skepsis sind ein wichtiger Anlass zu  einem europäischen Diskurs miteinander.

Was ist die Europäische (EU) Union? Was hält Europa zusammen?
Sie ist ein aus 28 europäischen Staaten bestehender Staatenverbund. Seine Bevölkerung umfasst derzeit über eine halbe Milliarde Einwohner. Die Organe der EU sind: das EU-Parlament in Straßburg, die EU - Kommission (je Land ein Mitglied) in Brüssel und der europäische Gerichtshof in Luxemburg.  Innerhalb der EU bilden 18 Staaten die europäische Wirtschafts- und Währungsunion. Sie haben eine gemeinsame Währung, den Euro. Der von den EU-Mitgliedsstaaten gebildete europäische Binnemarkt  ist der am Bruttosozialprodukt gemessen größte gemeinsame Markt der Welt.
Dies ist der Blick, in unser Hier und Heute, der uns Perspektiven in die Zukunft eröffnen soll.

Wie aber halten wir es mit dem Blick auf die Herkunft und in die Zukunft Europas?
Eine ganz wesentliche Voraussetzung zum Gelingen der EU wird darin bestehen, dass sie sich nicht nur als bloße Wirtschaftsgemeinschaft, sondern als eine Wertegemeinschaft versteht. In einem Rundbrief unserer
EAK - Freunde in Sachsen Anhalt vom 01. April 2014 wirft Pastor Jens Motschmann einen Blick zurück in die
Anfänge Europas im 8. Jahrhundert v. Christi.
Dieser Aufsatz ist in voller Länge im Internet unter
            eak-sachsenanhalt.de/index.html Rundbrief Ostern 2014
nachzulesen. Auszüge aus diesem Aufsatz des Verfassers sind in hier folgend übernommen.

Welches sind die geistigen Werte und Grundlagen Europas?
Die Wiege Europas steht in Griechenland. Europa ist aber nicht nur ein geographischer Begriff, nicht nur ein ethnischer, sondern vor allem ein geistiger . Erinnert wird an den 1. Bundespräsidenten, Theodor Heuss, der am 16. Sept. 1950 bei einer Schulfeier in Heilbronn sagte:
     „Es gibt drei Hügel, von denen das Abendland seinen Ausgang   
      genommen hat:
      -->   Golgatha,
      -->   die Akropolis in Athen,
      -->   das Capitol in Rom
Aus allem ist das Abendland geistig gewirkt, und man darf alle drei, man muss sie als eine Einheit sehen.“
      ≥ Die Akropolis in Athen steht für griechische Philosophie und Kultur,
      ≥ Das Capitol in Rom für römisches Recht und staatliche Ordnung, und
      ≥ Golgatha steht für den biblischen Glauben

Die Etappen der Christianisierung Europas
sind Meilensteine der stufenweisen Einbeziehung unterschiedlichster Völker auf einem Kontinent in eine gemeinsame christliche Kultur. Damit begann die Geschichte des christlichen Abendlandes. Zu dieser Zeit werden bereits alle Eigenschaften erwähnt, durch die der Kontinent dieses Namens die Geschichte im Guten wie im Bösen beeinflusst hat(Manfred Barthel).
Europa steht für Neugier, Selbstbewusstsein, Wagemut. Diese Akzentuierung des europäischen Geistes hatte eine doppelte Wirkung. Sie war der Motor fürüberragende glanzvolle Leistungen.

Welche Rolle spielt in diesem Kraftfeld der christliche Glaube?
Die weit in die Geschichte zurückführenden Betrachtungen bleiben an dieser Stelle ausgeblendet. Die ganze Epoche stand unter dem Reformruf „zurück zu den Quellen“:
    --> der Kirche, wie sie in der Bibel und der Alten Kirche gegeben waren
    --> der Kultur, wie sie aus dem Griechentum überkommen waren
    --> der staatlichen Ordnung, wie sie sich bei den Römern bewährt 
          hatten.
Aber immer dann, wenn im Hochgefühl der eigenen Macht und Kraft des Gelingens und Forschens die Korrektur des Wortes missachtet wurde, geschah etwas Unheimliches.Es stand dann die dunkle Seite der Neugier, des Selbstbewusstseins, des Wagemuts auf.  Der Kampf zwischen dem Geist gottloser Hybris und dem Geist des Evangeliums.
Diese Verbindung von vollendeter Kultur und Zivilisation auf der einen Seite mit Brutalität und Hinterlist, mit dem Geist der Lüge auf der anderen Seite hat Europa durch die ganze Geschichte hindurch immer wieder ein Doppelgesicht gegeben.

Aber es waren auch Europäer, die
mit einem Herzen voller Mitleid und Hilfsbereitschaft in fremde Kontinente gingen, den Menschen das Evangelium brachten, soziale und medizinische Hilfe. Und es waren Europäer, die dafür sorgten – leider etwas zu spät! – dass weltweit die Sklaverei geächtet wurde. Europäer haben die beiden  gigantischen Kriege, die die Welt je erleiden musste, ausgelöst. Europa hat eben ein Doppelgesicht: eine dunkle und eine Seite der Neugier, des Selbstbewusstseins, des Wagemuts.

Was ist das Bleibende an Europa?
Noch heute treffen wir in Europa überall in Staat und Gesellschaft auf diese Grundlagen, die in einem ca.3000 Jahre währenden Prozess aus dem leidenschaftlichen Wissensdrang der griechischen Antike, dem nüchternen Rechtsdenken der Römer und dem Geist des christlichen Glaubens entstanden sind. Die christliche Prägung wird allerdings schwächer.
Dabei ist es gerade dieser Bereich, der Europa die Seele gegeben hat. Verliert Europa diese Prägung, so steht es in der Gefahr, eine Seele zu verlieren.
Der Historiker Heinrich August Winkler,
bis 2007 Professor an der Berliner Humboldt Universität, wurde von der FASZ (12.12.2004) gefragt:

„Was haben Christentum und Europa miteinander zu tun?“
Seine Antwort:
    „Man kann die Geschichte der Menschenrechte und die Gewalten-
     teilung nicht schreiben, ohne auf die christlichen Wurzeln einzu-
     gehen.  Der revolutionäre Satz, das alle Menschen vor Gott gleich
     sind, ist nun einmal christlichen Ursprungs. Und die Idee der
     Gewaltenteilung,  lässt sich bis auf das Wort zurückführen:
     Gebt dem Kaiser was des Kaisers und Gott was Gottes ist.“


Die geistigen Grundlagen Europas sind in der Charta der Grundrechte der Europäischen Union aus dem Jahre 2000 formuliert.

In der Präambel heißt es gleich zu Beginn:
     „In dem Bewusstsein ihres geistig-religiösen und sittlichen Erbes
      gründet sich die Union auf die unteilbaren und universellen Werte
      der Würde des Menschen der Freiheit, der Gleichheit und der
      Solidarität. Sie beruht auf den Grundsätzen der Demokratie und
      Rechtsstaatlichkeit.“
Diese Werte sind eindeutig aus dem Geist des Evangeliums geprägt. Insofern gehört das christliche Menschenbild an erster Stelle zum gesellschaftlichen Wertekonsens Europas.

Soweit der Auszug aus dem Aufsatz Pastor Motschmanns.
Bei der Wahl am 25. Mai 2014 geht es darum, wie wir in Europa in Zukunft leben und wie wir miteinander umgehen wollen. Europas Zukunft steht und fällt nicht mit den tagespolitischen Aufgeregtheiten, sondern damit,
ob dieser Kontinent auf dem Fundament seines „geistig-religiösen und sittlichen Erbes“ bleibt.

aktualisiert von Hans Bleckmann, 02.05.2014, 21:13 Uhr