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20.09.2014, 11:16 Uhr
Wie ist es um die Korrektheit der Medien bei deren Informationsvermittlung bestellt?
Eine Betrachtung, die erlaubt sein muss!
Erschüttern in letzter Zeit bekannt gewordene - teils bewusst irreführende – Informationen unserer Medien die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen in sie? Nach gesammelten Erfahrungen dieses Sommers 2014 muss es erlaubt sein,
diese Frage zu stellen, ohne in den Verdacht der Medienbeschimpfung zu geraten.
Fall 1
Nahezu alle großen Medien in Deutschland haben im Juli 2014 über „ein Jahr Betreuungsgeld“ mit dem Ergebnis berichtet: „Betreuungsgeld gescheitert". Sie bezogen sich dabei auf eine „Neue“ Studie, über das Betreuungsgeld. Mit diesem Aufmacher haben sie die aktuelle, politisch kontrovers geführte Debatte wieder öffentlich aufleben lassen. Die Medien haben damit jene, die diese familienpolitische Leistungszuwendung aus ideologischen Gründen ablehnen, in deren Kritik bestärkt.

Der Verband „Frau2000plus e.V“ als Fürsprecher des Betreuungsgeldes hat durch ihre Vorsitzende, Frau Birgit Kelle, in die besagte Studie Einblick nehmen wollen. Der Projektleiter dieser vermeintlichen Studie, Dr. Matthias Schilling, erklärte ihr, dass 

      es eine solche Studie nicht gebe! Die Befragungen für die Studie einer   
      Einführung des Betreuungsgeldes seien bereits vor Einführung erhoben
      worden. Sie besitze keine Aussagekraft überdie tatsächlich Nutzung
      nach Inkrafttreten des Gesetzes.

      Die 150-seitige Studie wurde zudem bislang nicht veröffentlicht und kann
      nirgendwo eingesehenwerden. Sie sei offenbar von interessierter Seite
      den Medien zugespielt worden. .

Die Vorsitzende des Verbandes sagte dazu: „Ohne irgendwelche neuen Fakten zetteln SPD und Grüne in Deutschland eine Kampagne gegen das Betreuungsgeld an, das übrigens von den selbst erziehenden Eltern viel angenommen wird und ein großer Erfolg ist.“
Dagegen meldet die Stuttgarter Zeitung Online.de am 28.07 2014: „Das vor einem Jahr eingeführte Betreuungsgeld für Kleinkinder schafft nach Meinung mehrerer Landespolitiker von SPD und Grünen falsche Anreize und müsse zurückgenommen werden. S t u d i e n (welche?) zeigen, dass das Betreu- ungsgeld besonders attraktiv zu sein scheint für Familien, die eine gewisse Bildungsferne und einen Migrationshintergrund haben", und zitiert den
Hamburger Sozialsenator Detlef Scheele (SPD). Ähnliche Kritik äußerten die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen in Nordrhein-Westfalen.

Fazit: Passend zum einjährigen Geburtstag dieser Familienzuwendung wurde der Öffentlichkeit eine Falschmeldung präsentiert. Dieser Vorgang wirft die ethische Frage auf: Was ist eigentlich die Aufgabe von Journalisten? Darf man in heutiger Zeit keine Recherchen mehr erwarten? Wird nur noch abgeschrieben und nachgeplappert? Geht die Schnellinfor-mation zwecks Einschaltquoten und Auflagensicherung vor Gründlichkeit und Wahrheit?

Fall 2:
wirft einen kritischen Blick auf die öffentlich rechtlichen Medien, die Zweifel an der wahrheitsgemäßen Vermittlung anzeigen.
a)
Im Juli 2014 musste das ZDF öffentlich eingestehen, die Rankingsendung "Deutschlands Beste“ manipuliert zu haben. Deren Redaktion vermeldete, bestimmte Prominente in der Rangfolge aufgewertet  zu haben, um sie für ihre Studiobesuche interessanter erscheinen zu lassen. Andere wurden dafür herabgestuft und abgewertet. Die interne Untersuchung des Falles habe ergeben, dass das Fehlverhalten bei der ZDF – Redaktion lag. Eigenmächtig seien Veränderungen an einer repräsentativen Forsa –  Umfrage vorgenommen worden. Das ZDF wird die Reihe „Deutschlands Beste!“ nicht fortsetzen.
b)
Am 09. August 2014 meldet Spiegel Online, dass auch beim NDR bei insge- samt elf Unterhaltungssendungen in Fernsehen und Radio, die auf Online - Votings basierten, Redaktionen nachträglich die Rangfolgen der Rankings verändert haben. Das teilte der Sender mit.
c)
Am 11. August 2014 haben drei weitere öffentlich-rechtliche Sender Unregel-mäßigkeiten (Manipulationen) entdeckt und öffentlich gemacht. Sowohl der Westdeutsche als auch der Hessische Rundfunk und der Rundfunk Radio Berlin – Brandenburg räumten Veränderungen an Online - Votings ein.
Fazit:
Offenbar ist in den öffentlich rechtlichen Sendeanstalten die Ehrfurcht vor der Wahrheit und Korrektheit verloren gegangen. Auch hier stehen und rücken immer mehr Einschaltquoten in den Vordergrund der Vermittlung und Unter-haltung. Wie verträgt sich solches Fehlverhalten von Journalisten und Redaktionen mit der Gebührensonderstellung der öffentlich - rechtlichen Medienanstalten? Journalisten pflegen in aller Regel Ihre Verlautbarungen
und Veröffentlichungen damit zu rechtfertigen, dass ihre Informationen dem „Öffentlichen Interesse“ entsprechen würden. Liegen derartige Manipulatio- nen tatsächlich im öffentlichen Interesse?

Fall 3:
Heftige Empörung löste die am 04. August 2014 ausgestrahlte ARD Fernsehsendung „Mission unter falscher Flagge – Radikale Christen in Deutschland“ bei den auf die Anklagebank gesetzten Betroffenen aus. Charismatischen und Pfingstkirchlichen Gemeinden mit ihren Organisationen wurden religiöser Machtmissbrauch unterstellt. Deren Arbeit sei als „fundamentalistisch und gefährlich“ einzustufen. Die betreffenden Institutionen - das Stuttgarter Gospel Forum unter Leitung von Pastor Peter Wenz, die „Tübinger Offensive Stadtmission“ (TOS) mit Pastor Jobst Bittner, Gaby Wentland (Hamburg) mit ihrem Verein „Mission Freedom (Mission Freiheit)“ sowie die Organisation „Überkonfessionelle Dienste Lüdenscheid“ verwahrten sich entschieden gegen derart verallgemeinernde Stimmungsmache und gegen verkürzte und verzerrte Darstellungen.
Was konkret an den geistlich ausgerichteten, sozial-diakonischen, seelsorgerlichen Diensten dieser freikirchlichen Einrichtungen als „fundamentalistisch“, gar als „gefährlich“ zu charakterisieren ist, begründen die zwei für diese Sendung verantwortlich zeichnenden Journalistinnen nicht.
Können sie für sich in Anspruch nehmen, ein so komplexes Wissensgebiet der Religions -und Glaubensfragen in einem über wenige Minuten laufenden Fernsehbeitrag vollumfänglich und sachlich objektiv abhandeln zu können? Stand hier wirklich die „ehrliche“ Information im Blick? Oder ging es hier vielmehr allein um ein Suchen nach Versagensgründen und Aufdecken von Versäumnissen mit nicht belegten und nicht nachgewiesenen Fehlverhalten dieser Organisationen? Stand auch hier das Schielen nach
Einschaltquoten im Vordergrund? Der ehrliche und seriöse Informationswert solcher Öffentlichkeitsdarstellungen kann nur mit „Null“ bewertet werden. Sendungen dieser Art dienen allein jenen lautstarken Minderheiten, die von den Medien gehätschelt und in den Adel öffentlicher und zwielichtiger Beachtung gehoben werden.

Ein hilfreicher Beitrag hätte dagegen eine positive Qualitätsdiskussion über die sozial – diakonischen kirchlichen Dienste, die dem Wohle der Menschen dienen, sein können. Dazu könnten die Medien einen wertvollen Informationsbeitrag leisten.

Das aber scheint jenen Medienvertretern keine Sensationsmeldung zu versprechen.

Wie in Medien gearbeitet wird, beschreibt Sebastian Moll.
Im Vorwort seines Buches „Jesus war kein Vegetarier“ schreibt er: „im zarten Alter von zwanzig Jahren erhielt ich zum ersten Mal die Gelegenheit, einen selbstständigen Artikel zu veröffentlichen. Eine evangelische Kirchenzeitschrift bat mich eine kurze Abhandlung über das Verhältnis der beiden großen Konfessionen zu verfassen.
Ich fühlte mich ebenso geschmeichelt wie nervös, ging aber umso eifriger ans Werk. Ich recherchierte gründlichst, alles sollte perfekt sein. Gedruckt wurde dieser Artikel nie.
Dieser Artikel dürfe unter keinen Umständen veröffentlicht werden, da er den ökomenischen Frieden gefährde, so die Meinung des Chefredakteurs. Als ich mich nach den terroristischen Inhalten meines Werkes erkundigte, erhielt ich die Auskunft, ich würde in diesem Artikel Unterschiede der Konfessionen zu deutlich benennen.
Als man mich beauftragte, das Verhältnis der Konfessionen zu behandeln, hielt ich es für meine Pflicht, dies so objektiv wie möglich zu tun. Das zu dieser Darstellung natürlich auch die konfessionellen Unterschiede gehören,  war für mich selbstverständlich. Aber genau das ist mein Denk- fehler gewesen. Denn es geht überhaupt nicht darum,
              was Menschen wissen möchten, sondern was sie wissen sollen.
Das oberste Ziel des Chefredakteurs bestand offenbar in der Förderung der Ökumene, nicht in der Verbreitung von Informationen. So eine Vorgehensweise ist durchaus möglich, nur handelt es sich dann eben
                  nicht mehr um Journalismus, sondern um Propaganda.

Ganz oben – ganz unten lautet der Titel des Buches von Christian Wulf,
in dem er seine eigenen, Erfahrungen im Umgang mit Journalisten schildert. Ob er sich mit dem Buch einen Gefallen getan habe, wurde der CDU Politiker Laschek in einer Talkshow gefragt. Er antwortete: „Ich weiß es nicht, jedenfalls ist es wichtig, das Wulff seine Erfahrungen offen gelegt hat. Denn schon morgen kann es jeden anderen Politiker treffen, dass er so in das Fegefeuer der Medien gerät.
Ja – Pressefreiheit ist ein schätzenswertes Gut unserer Demokratie. Ebenso gehört ein unabhängigerJournalismus dazu. Es muss erlaubt sein, kritisch nachzufragen, ob Teile des Journalismus immer die Persönlichkeitsrechte derer achten und respektieren, die sie unter die Lupe nehmen. Haben nicht auch sie Anspruch auf die Achtung und Wahrung der in der Verfassung verankerten „Würde des Menschen“?
aktualisiert von Hans Bleckmann, 20.09.2014, 12:27 Uhr