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15.10.2014, 17:33 Uhr
Toleranz - keine Einbahnstrasse
Toleranz bedeutet andere Positionen zu dulden, ohne die eigene Überzeugung aufzugeben

Anlass dieser Einstellung ist die Verwüstung einer Kirche im Rahmen einer Demonstration in Berlin am 20. September 2014. Mittlerweile ist in Berlin eine weitere Kirche, die einer koptischen Kirchengemeinde, zerstört worden, von der die Öffentlichkeit so gut wie nichts erfahren hat.

Das auch bei uns in Deutschland im Jahre 2014 die Schranken der Meinungsfreiheit und des sittlich wie rechtlich Akzeptablen abermals missachtet werden, darf uns nicht gleichgültig lassen.

Unsere Geschichte hat uns gelehrt, welch verheerende Folgen es hat, wenn menschenverachtendes Treiben – egal ob von rechts- oder von linksradikaler Seite - nicht schon in der Entstehungsphase entgegengetreten wird. Es ist unsere historische Pflicht und aus unserem christlichen Glauben begründet, in dem alle Menschen Gottes Geschöpfe sind, Aufmerksamkeit walten zu lassen.
Eigentlich sollte man annehmen, dass so etwas, wie in der Nacht zum 19. Sept.2014 in Berlin geschehen, in Deutschland nicht mehr hätte passieren können. Unvorstellbar, was sich aktuell ereignet hat! Am 20. Sept.ds. Js. fand in Berlin die mittlerweile jährlich stattfindende Demonstration

„Marsch für das Leben“
statt. Eine Demonstration für das Lebensrecht Aller! Hier gegen Abtreibung und Sterbehilfe. Beteiligt hatten sich daran etwa 5000 Menschen. Die Orga- nisation dieser Demo erfreuten sich im Vorfeld der Demo, dem 20. Sept. Sept.,einer breiten Zustimmung und großer Aufmerksamkeit. Verwunderung rief der Berliner Bischof der evangelischen Kirche von Berlin Brandenburg hervor. Hielt er im Jahr zuvor ein bewegendes Grußwort an die Demo – Teilnehmer so hat er in diesem Jahr sein Grußwort zurückgezogen. Wie es heißt, sei er von der Kirchenleitung per Beschluss gebeten worden, die inhaltliche Differenz der Evangelischen Kirche zu dem Veranstalter des ‚Marsches für das Leben’ deutlich zu machen. Soweit sind wir mit unserer evangelischen Kirche gekommen.
Muss allein schon diese Haltung eines leitenden Gremiums der Evangeli- schen Kirche Kopfschütteln hervorrufen, so ist ein weiteres Ereignis als Alarmsignal wahrzunehmen. Am 23. Sept. meldet die Berliner Zeitung:

Berlin schweigt zum Anschlag auf eine Kirche
und führt aus: Auf die katholische Herz Jesu –Gemeinde, Prenzlauer Berg, Berlin, wurde in der Nacht zum 19. Sept.ein Anschlag verübt. Niemand empört sich. Warum nicht? fragt Gunnar Schupelius (Redaktuer)
und schreibt: Kaum jemand nahm davon Notiz,
kein Politiker empörte sich. (erst Tage später gab es laue Reaktionen).Keine Fernsehstation berichtete über diesen Vorfall. Das ist umso erstaunlicher, als in der Kirche schwerer Schaden entstand.
Neben dem Haupteingang hatten die Täter eine Scheibe durchschlagen und Flaschen mit roter Farbe in einen Gemeinderaum geschleudert. Sämtliche Möbel, Schriften und Kleider sind unbrauchbar. Alles ist von getrocknetem Lack überzogen, in dem messerscharfe Splitter stecken. Die Fassade ist vollkommen beschmiert. Daneben waren zwei weitere Anschläge auf Einrichtungen zu verzeichnen. So die BZ. Der CDU Bundestagsabgeordnete
Norbert Hüpe ist – eigener Schilderung zufolge - während der Demo von einem Fernsehteam attackiert worden, also an der Demo Teilnahme behin- dert worden, was seitens des Fernsehanstalt bestritten wird.
In einem
Bekennerbrief auf einer illegalen linksextremen Internet - Plattform
heißt es lt. Berliner Zeitung: dass die Kirche demoliert worden sei, weil sie Abtreibungsgegnern, (den Demo - Initiatoren) Raum bot, dass sie den Marsch für das Leben“ organisieren konnten. Weiter heißt es in der BZ: Linksextreme Störer mischten sich in ihren Zug, bewarfen sie mit Kondomen, überschütteten sie mit Farbe und Schnipseln, beleidigten und pöbelten. Wenn die Polizei eingriff, skandierten sie: “Deutsche Polizisten prügeln für die Christen.” So, als ob die Christen die Angreifer gewesen wären. Auch von Politikern bekamen es die marschierenden Christen ab. Die SPD- Bundes- tagsabgeordnete Mechthild Rawert zum Beispiel diffa-mierte sie als “selbst ernannte Lebensschützer” und rief zu einer Gegende- monstration am Brandenburger Tor auf. Dort beschimpften weitere linke Politiker die Christen als “religiöse Fundamentalisten”. Der Berliner Bürgermeister,Klaus Wowereit, schickte dazu ein freundliches Grußwort. Das ist das Toleranz - Verständnis der Linksextremen!

Fundamentalismus ist nicht nur
ein böses, sondern auch ein gefährliches Wort!
Immer häufiger ist zu beobachten, dass im allgemeinen Sprachgebrauch religiöse Fundamentalisten gleichgesetzt werden mit Terroristen, die im Namen ihres Gottes morden.
Hier und da ist auch in links sympathisierenden kirchlichen Kreisen pau- schal zu vernehmen, dass es Fundamentalisten nicht nur im Islam, sondern in allen Religionen gebe, natürlich auch unter Christen. Damit wird unter-stellt, alle seien gleich brutal und menschenverachtend.
Die Redlichkeit gebietet es, nicht undifferenziert von Fundamentalismus zu sprechen. Sonst steckt man Terroristen und Bibeltreue gläubige Christen in einen Sack und haut auf sie ein. So wird das Wort "Fundamentalismus" zum Kampfbegriff, der friedlichen Zielen entgegen wirkt. Das sollte jedem Verwender dieses Begriffes bewusst sein.

Welch eine
tiefe geistige und geistliche Missachtung des Grundrechts zum Leben
der Menschen, der Ungeborenen wie der Betreuungsbedürftigen im fortgeschrittenem Alter, kommt hier durch eine Generation zum Ausdruck, die in den fast 70 Jahren Bundesrepublik Deutschland ein Leben in Frieden, Sicherheit und Wohlstand kennen lernen und führen durfte. Welch eine Gesinnung breitet sich in unserem Land aus?

Ist es Zeit, in
Erinnerung zu rufen, was sich in unserem Land bis 1945 ereignet hat?
Ist unsere Geschichtsvergessenheit bereits soweit fortgeschritten und das Ausmaß des schmachvollen Zusammenbruchs des Nationalsozialismus 1945 aus der Erinnerung gestrichen? Ist vergessen, was uns das totalitäre System der DDR bis vor 25 Jahren an Menschenverachtung vor Augen geführt hat? Ist es übertrieben,nach dieser Kirchenschändung zur Mahnung zu rufen: „Wehret den Anfängen!“ Ist es heute schon wieder nicht mehr möglich, sich zu unterschiedlichen Grundpositionen zu bekennen, wie es in einer offenen Gesellschaft zur Normalität gehören sollte?
Man muss schon fragen, warum sich in unserer Gesellschaft so viel Hass um Fragen des Lebensrechts, vor allem ungeborener Kinder, entlädt? Dabei ist besonders auffällig, dass Kirchen und christliche Einrichtungen zunehmend zur Zielscheibe von Aggressionen durch politisch linksextreme Demonstranten werden. Kann über solche fortgesetzten Missbräuche des Demonstrationsrechts einfach hinweggesehen werden?

Wozu Menschen fähig sind,
wenn sie von ihrer Ideologie beherrscht werden
und ihr Gesicht einer Bestie gleicht, lassen diese Berliner Vorgänge ahnen. Begriffe wie „Würde des Menschen“ und was alles dazu zählt, bedeuten ihnen nichts. Menschenrechte gelten den Ideologen nur dann etwas, wenn es ihren ideologischen Gesichtspunkten entspricht. Die jüngste weltpoliti- sche  Entwicklung zeigt, was Ideologien anzurichten vermögen, die auch vor unserer Haustür nicht halt machen.
Es ist und bleibt die fortgesetzte Verpflichtung jeder Generatio kritisch zu beobachten, wie hauchdünn der Friede in Sicherheit zu allen Zeiten ist und wie brüchig damit die Freiheitsgarantie. Damals wie heute müssen die Menschen immer neu zur Kenntnis nehmen, dass die Grundpfeiler einer Gemeinschaft nur zu halten sind, wenn sich Freiheit und Bindung in einer ausgeglichenen Balance befinden. Die Geschichte lehrt uns immer wieder neu: Wer sein geistiges Erbe nicht achtet, wird heimatlos, der bleibt orientierungslos. Das zeigt sich besonders dann,

wenn demonstrierenden Protestlern die
Argumente, auch die Fähigkeiten zum Diskurs
fehlen und in Sprachunfähigkeit verharren. Wenn ihnen allein Trillerpfeifen zur Aufmerksamkeit verhelfen,Vandalismus und Gewalt ihre Mittel sind, wie sie es mit der Verwüstung der Katholischen Herz Jesu – Gemeinde in Berlin demonstriert haben, dann darf wohl die Frage gestellt werden, welch Geistes Kinder solche Kräfte sind? Hier zeigt sich, wohin es führt, wenn Menschen sich nicht mehr ihrer Wurzeln und Traditionen bewusst sind, den Wert menschlichen Lebens gering achten und sich von Ideologien verblen-
den lassen. Den Initiatoren und Teilnehmern an Demonstrationen – wie hier gegen den Marsch für das Leben - muss man die Frage nach Toleranz und Demokratieverständnis stellen. Toleranz bedeutet ein Ertragen der Anders-artigkeit des Anderen. Religiöse Toleranz kann auch definiert werden als Verzicht auf jede Form von Gewalt und Zwang gegenüber Angehörigen
anderer Religionen, obwohl deren Glaubensüberzeugung gerade nicht geteilt wird. Mit Schlagworten und Kampfparolen, mit Abqualifizierung Andersdenkender lässt sich keine Politik überzeugend begründen.

In Erinnerung zu rufen ist, als 1945 Deutschland vor dem Nichts stand
sich Menschen, die KZ – Verbrechen am eigenen Leibe erfahren, Vertrei- bung, Gewalt und Menschenverachtung erlebt und überlebt hatten, sich sofort wieder der politischen Verantwortung stellten. Aus diesem Kreis, betroffener Frauen und Männer, suchte man nach einer neuen Ordnung.
So wurde eine Verfassung angestrebt, in der die geistigen Grundlagen einer freiheitlichen demokratischen Rechtsordnung starke Beachtung fanden. Viele christliche Grundüberzeugungen die heute wieder eher als belanglos gedeutet werden, fanden Eingang in das neue Grundgesetz.
Damit wurden entscheidende Vorkehrungen für die Neugründung unserer freiheitlich demokratischen Demokratie getroffen, die auf Wurzeln und Grundlagen gründen, über die eine Staatsordnung nicht verfügt. Auf dieser Grundlage fanden Menschen schnell wieder Zuversicht, Mut und Vertrauen in ihren neuen Staat. Dieses Wertesystem heute zu erhalten und zu stabilisie- ren, darin liegt die wesentliche Aufgabe der heutigen Generation.

Gerade deshalb ist heute zu fragen, wo diese Grundlagen zu finden sind.
Eine Antwort liefert uns die biblische Botschaft und dazu zählt wiederum das Lebensrecht aller Menschen.
Kappen wir diese Wurzeln, wie es sich in Berlin mit der Verwüstung der katholischen Herz Jesu - Gemeinde im Jahre 2014 gezeigt hat, so wird unsere Ordnung wurzellos, das heißt der Beliebigkeit ausgesetzt.
Unter diesem Aspekt konnten auch Nationalsozialisten und Kommunisten vom Lebensrecht aller Menschen sprechen, denn sie kannten kein auf Freiheit gründendes Verfassungsgebot. Freiheit wird nicht bestehen, wenn sie nicht verantwortete Freiheit ist.
Aber wem bin ich verantwortlich? Um der Freiheit willen gibt es in unserem Land keine Zensur, aber um derVerantwortung willen sollte vermieden werden, den Nächsten herabzusetzen und zu verletzen.

Doch wie schwer fällt uns das zeitweilig?
aktualisiert von Hans Bleckmann, 15.10.2014, 21:15 Uhr