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27.10.2015, 23:55 Uhr
Müssen wir Angst vor dem Islam haben?
Haben wir doch den Mut, dass wir Christen sind.
Gegenwärtig sind wir Zeugen
einer dramatischen Flüchtlingsbewegung aus Ländern anderer Kulturen, besonders fremder Religionen. Sie streben in großen, kaum noch beherrschenden Zahlen Deutschland als Ziel an.
Unbehagen, Sorgen und Ängste vor einer Überfremdung durch eine befürchtete Islamisierung breiten sich aus. Sie stellen die deutsche und vor allem die europäische Politik, aber auch unsere Gesellschaft insgesamt, vor große Herausforderungen.

Was ist zu tun?
Was ist zu tun?
Demonstrationen und Kundgebungen mit Trillerpfeifen, mit dumpfen Parolen, Aktionen und massenhaften Aufmärschen lassen sich zwar Stimmungen erzeugen, aber keine Lösungen finden.
Es bestätigt sich einmal mehr:
Dort, wo die Massen hinlaufen, lässt sich die Wahrheit nicht finden! Diese wird angesichts des Umfangs der auf unsere Gesellschaft zukommenden Veränderungen nicht so einfach zu haben sein.
Niemand wird heute vorhersagen können, bis wann der Zeitpunkt absehbar sein wird, um alle Probleme in den Griff zu bekommen. Darum könnte uns mehr Realitätssinn, mehr Gelassenheit, auch unser bundesrepublikanisches Bekenntnis zu
Schwarz – Rot – Gold,
das für Freiheit und Hoffnung und nicht für Hass, Hetze und Angst
steht, zu mehr Zuversicht verhelfen.

"Wer hat Angst vor dem Islam?
Unter diesem Buchtitel beschäftigen sich 18 christliche Autoren mit dem Islam, mit fundamentalistischen Tendenzen und ihren Folgen. Dieses Buch bietet einen weiten Horizont an Meinungen, Anknüpfungspunkten und Ideen, wie man vertrauensbildend mit dem Islam umgehen und ihn verstehen kann.
Es zeigt auf,
wie Begegnungen mit Muslimen aussehen können und warum eine Rückbe-sinnung auf den christlichen Glauben so wichtig ist. Die Mischung der Autoren zeigt die Vielfalt und die Unterschiedlichkeit der Deutungen über den Islam. Manche von ihnen beschreiben die Ängste der Christen vor dem Islam, andere haben keine Berührungsängste und schöpfen Kraft aus der Begegnung und dem Dialog.
Die Diskussion um die Bedeutung der Religion haben wir sträflich vernachlässigt bemerkte am Sonntag, d. 25.10.2015, der Bundesinnenminister in einer Phönix Fernsehdiskussion „Forum Politik“ zu den Ängsten um den Islam im Zusammenhang mit den Aufgeregtheiten um die Flüchtlingskrise. Er forderte, dass wir in Deutschland darüber wieder verstärkt reden müssten.
Darauf verweist auch in einem Gastbeitrag für die FAZ der Bundesverfassungsrichter a. D.

Udo Di Fabio zum Thema: Die Kultur und Relgion:
    
Eine Gesellschaft, die ihre eigenen kulturellen und religiösen Wurzeln
     nicht pflegt, die ihr Land und ihre Identität nicht bejaht, eine Gesellschaft,
     die nicht mit eigenen Kindern optimistisch und pragmatisch nach vorne
     schaut, eine solche Gesellschaft reagiert auf Veränderung eher ängstlich.
     Vor allem wird sie als Integrationsziel für die Hinzukommenden auf Dauer     
     nicht anziehend, nicht ansteckend wirken.
    Gelingende Einwanderungskulturen sehen anders aus.

"Haben wir doch den Mut zu sagen, dass wir Christen sind“
Von der Bundeskanzlerin wollte eine Bürgerin in einer Fragestunde in der Uni Bern wissen, wie man die europäische Kultur vor einer Islamisierung schützen kann?
Frau Merkel, antwortete darauf:
     „Wir haben doch alle Chancen und alle Freiheiten, uns zu unserer
     Religion, sofern wir sie ausüben und an sie glauben, zu bekennen.
     Und wenn ich was vermisse, dann ist es nicht, dass ich irgendjemandem   
     vorwerfe, dass er sich zu seinem muslimischen Glauben bekennt,
     sondern sage, dass wir doch den Mut haben mögen
     zu sagen, dass wir Christen sind. Bringen wir doch zum Ausdruck,
     dass wir zum Dialog mit Muslimen bereit sind und unsere christlichen
     Werte nachdrücklich bekennen.

In diesem Zusammenhang ist immer wieder daran zu erinnern,
dass zu den Bewältigungen der tagespolitischen Probleme immer auch unsere Tradition und Kultur auch unsere, die christliche, Religion gehört. Nach wie vor zählt in unserer Kultur unverändert auch der Besuch von Gottesdiensten dazu. Jedem, der Angst vor dem Islam hat, steht es völlig frei, daran zu arbeiten, ein bisschen bibelfest zu werden oder auch von der Bedeutung unserer Kirchen für Staat, Gesellschaft und Kultur zu reden.
Keiner muss sich vor biblischen Texten schämen, denn sie sagen uns z. B.:
„Wir wissen um die Bedrängnis um uns herum, Bedrängnis aber bringt Geduld,  aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung (Römer 5,4+5).
Das kann jedem helfen, sich gesprächsfähig zu machen mit Angehörigen fremder Kulturen, wozu besonders der Islam zählt.

Noch einmal zu den 18 christliche Autoren
Der CDU Bundestagsabgeordnete, Frank Heinrich, macht sich Gedanken, wie Muslime und Christen zusammenleben können, obwohl theologische Positionen  nicht miteinander vereinbar sind. Er plädiert dafür, zu den Unterschieden zu stehen, einander die Wahrheit zu bezeugen und gemeinsam die Wirklichkeit zu gestalten.
Die Journalistin Verena Birchler wünscht sich, dass Christen ganz normal mit ihrem eigenen Glauben umgehen. Ein wirklich christliches Land habe auch Platz für Andersgläubige.
Dem Islamwissenschaftler und evangelischen Christen, Thomas Schirrmacher ist es wichtig, friedliche Muslime zu schützen und gegen gewaltbereite Islamisten vorzugehen. Auch das passiert 2015 in Deutschland und in Europa.

Ein Beispiel dafür ist der Fall des Schriftstellers Hamed Abdel – Samad.
Er signierte auf der jüngsten Frankfurter Buchmesse sein islamkritisches Buch „Mohamed – Eine Abrechnung“. Dabei wurde er von fünf Personenschützern des Staatschutzes des Berliner LKA umringt und
musste geschützt werden.
Hamad Abdel – Samad wird nicht als Scharfmacher gesehen, er ist kein Brandstifter, kein Pegida Demonstrant.
Er wird als ein angesehener Gelehrter gesehen, der mit wachen Augen und freundlicher Ausstrahlung geschätzt, seine Meinung kundtut. Wegen des Gewaltpotentials derjenigen, denen das nicht passt, hat Abdel – Samad keinen festen Wohnsitz, muss auf allen seinen öffentlichen Wegen mit Schutzweste und Panzerwagen von Hotel zu Hotel reisen.
Das geschieht in Deutschland im Jahre 2015. Das muss nachdenklich machen und zur Mahnung wachrufen. Dieser Fall zeigt, wie vielfältig der Islam zu betrachten und wie notwendig die Auseinandersetzung mit ihm ist.

Dieser momentane Zuwanderungsprozess bewegt alle:
Wir werden in unserer Gesellschaft dem unvermeidlichen interreligiösen Dialog nicht wie bisher weiter ausweichen können. Dieser kann in unserer Gesellschaft nur überzeugend und erfolgreich geführt werden, wenn wir wissen, worin sich die Religion des Islam von der christlichen Religion unterscheidet.
Der Islam, der Islamismus, der islamische Terror sind Erscheinungsformen, die sich bis nach Europa hin ausweiten. Das bekommen wir täglich zu spüren. Hier hilft kein Herumreden um den heißen Brei. Angst, die sich breit macht, war noch nie ein guter Ratgeber. Sowohl im persönlichen als auch im gesellschaftlichen Leben nicht.
Kulturen und Gesellschaften, die von Angst geprägt sind, werden mit Sicherheit die Zukunft nicht meistern.

Wir müssen einfach sachlich zur Kenntnis nehmen:
Eine kühle, auf die Kultur bezogene Sachdebatte über die Flüchtlingskrise, die Mitleiden nicht verdrängt, aber umsichtig nach Lösungen sucht, ist Mangelware. Die Debatte darüber fällt europaweit aus. Dies ist eine nicht zu übersehende Realität. Die politischen Parteien, als die maßgebenden Entscheidungsträger, stehen vor der enorm schwierigen Aufgabe, nachvollziehbare Lösungspositionen zu formulieren, geschweige denn, solche überzeugend der Bevölkerung zu vermitteln.
Stimmungen – siehe Pegida u. ä. - wirken wie hohe Wellen, die Politik nicht lenken und eindämmen, auch nicht in Sachdebatten kanalisieren kann. Auch die Medien nicht, sie treten lediglich als Problemanzeiger und – verstärker in Erscheinung und tragen zur Verzerrung des Islam - Bildes bei.

Uns als Arbeitskreis, besonders auch uns, die wir für die CDU das Bild nach draußen zu tragen haben, bleibt die immer währende Frage: Wie kann es gelingen, die ganze Breite der Flüchtlings- und Islamproblematik mit seiner komplexen Vielfalt in eine sachgemäße gesellschaftspolitische Diskussion einzubinden?
Darauf suchen wir die Antwort zu finden.


aktualisiert von Hans Bleckmann, 28.10.2015, 11:05 Uhr