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24.03.2016, 21:09 Uhr
Europa und die Flüchtlingsbewegung 2016
Wie steht es mit der Solidarität in Europa?
  „Erschreckend, was für eine menschenverachtende Geisteshaltung da 
   plötzlich mit Macht zutage trat, die an Szenen und Parolen aus dem dritten  
   Reich erinnern"
   (Zitat des kath. Bischofs, Heinz Josef Algermissen, Fulda, - Febr. 2016)

Zweck dieses Zitats soll es offenbar sein,
einen Vergleich zu ziehen zwischen den Flüchtlingsbewegungen während des Niedergangs des dritten Reiches zu den heutigen Flüchtlingsbewegungen nach Europa drängenden.


Damals kamen die Flüchtlinge aus deutschen Ostgebieten und
fanden im Westen Deutschlands selbstverständlich eine neue Heimat
Jetzt drängen Flüchtlinge aus Ländern des Nahen Ostens und Teilen Afrikas nach Europa.  Mit ihrer uns fremden Kultur und Religion finden die in Europa Schutz suchenden Flüchtlinge einerseits Verständnis und willkommene Aufnahme, andererseits lösen sie Verunsicherung aus und rufen Ängste hervor. Dies polarisiert die Gesellschaften Europas und führt zur totalen Ab – und Zurückweisung durch verschiedene Staaten Europas. Dies muss zu der Frage führen:

Welche Bedeutung hat unter diesen
Vorzeichen der Begriff „Gemeinschaft“ für Europa?
Betrachten wir die Bilder, die uns aus den Grenzländern Europas ständig überliefert werden und die uns zeigen, wie sich Europa in Sachen Flüchtlingsbehandlung präsentiert, so drängt sich ein Vergleich der Bilder mit denen aus dem dritten Reich geradezu auf.
Diese täglich uns erreichenden Bilder lassen Zweifel am Gemeinschaftsgeist der EU aufkommen, wenn sich die europäische Gemeinschaft als Ganzes uneinig zeigt und einzelne Länder der EU unsolidarisch eigene nationale Interessen verfolgen und durchsetzen. An diesem Vorgehen wird in der Flüchtlingsproblem-bewältigung das ganze Ausmaß der Hilflosigkeit europäischer Staaten sichtbar. Das klang auch aus den Worten des Luxemburgischen Außenminister hervor, der vor einiger Zeit bekannte:
            „Wir (in Europa) haben keine Linie mehr,
              wir steuern in die Anarchie hinein“.

Mit dieser Feststellung verwies er auf ein gravierendes Defizit in der EU
    :        „Europa fehlt es an einem ausgeprägten Wertefundament
              für seine Gemeinschaft“ 
Bleibt zu hoffen, dass die beim EU Gipfel am 18. März ds.Js. gefundenen Lösungsvorstellungen zu zufrieden stellenden Ergebnissen führen.    

Niemand verfügt über „den einen“ Schalter,
kann man ernsthaft glauben, die aller Welt vor Augen geführten Probleme der Flüchtlingsbewegung seien in ihrer Gänze mit Obergrenzen – Abschottungs-strategien allein zu lösen? Der Chefredakteur der Zeitschrift „Die Politische Meinung“ bemerkt dazu in der jüngsten Ausgabe:
      „Europa steht nicht zum ersten Mal am Scheideweg.
       Da muss diskutiert werden, da kann man in vielen Fragen
       – wie etwa der deutschen und der europäischen Identität,
       sowie der Integrationsziele unterschiedlicher Meinung sein.“

Diskutieren – ja, aber
wo kommt es heutzutage im Zeitalter der medialen Informationsüberflutung noch zu Diskussionen im öffentlichen Raum? Wie pflegte man einst zu sagen? „Wer wissen will, wie Politik geht, der suche den Stammtisch auf“. Heute ist die Realität, dass politische Parteien mit ihren Gesprächsangeboten zum Nachdenken, zum Austausch von Argumenten und Gegenargumenten auf ein immer geringeres Interesse unter den Bürgern stoßen. Das mag man beklagen, ist aber heute so in unserer Gesellschaft, wie wir – und nicht nur wir als CDU - feststellen müssen. Wo sich aber Bürger und gesellschaftliche  Gruppen  von  politischen  Diskussionen  fern  halten,  entstehen  Freiräume,  in  die  Populisten, Propagandisten und Wortschwallproduzenten mit Vorurteilen und substanzlosen Parolen lautstark hineinstoßen.

Die Landtagswahlen vom 13.März 2016
weisen – zumindest teilweise – in diese Richtung,  
wie aus den Wahlergebnissen der Partei „AfD“ (Alternative für Deutschland) der Schluss gezogen werden kann.
Das Christliche Medienmagazin schreibt in seiner Wochenausgabe 11/2016:
      „Alle etablierten demokratischen Kräfte, auch Grüne und Linke haben    
       teilweise massiv an die AfD verloren.
       Und wer sich die Programme angeschaut hat, kann die Ursachen dafür
       leicht entdecken:
       Die AfD hat nach Einschätzung der Giessener Politikprofessorin Simone  
       bendschön offenbar erfolgreich die Befindlichkeit und Verunsicherungen    
       ‚vieler Menschen, die sich von den etablierten Parteien verlassen
       fühlen,  stimmungsmäßig auf den Punkt gebracht.         
In der Tat haben die meisten Parteien Themen wie den Umgang mit Flüchtlingen, Fragen zum Islam oder zur Familie zunehmend mit sprachgeregelten Appellen, Ermahnungen und Formeln abgefertigt. Die AfD hat den Menschen im Sinne Martin Luthers „aufs Maul“ geschaut
vernünftige, realpolitische Konzeptvorschläge hat sie freilich kaum zu bieten, schon gar nicht in der Flüchtlingspolitik.
Für Menschen, die sich am christlichen Menschenbild orientieren, sollte bei Wahlentscheidungen nicht nur eine Rolle spielen, ob es einzelne Kandidaten gibt, die glaubwürdig Werte vertreten. Wichtiger für die verantwortliche Wahlent-scheidung ist die Frage, ob eine Partei insgesamt Werte verfolgt, die das fried- liche, faire und gerechte Zusammenleben von Menschen fördern. Bei der AfD, in der nicht nur konservative, sondern auch rechtsextreme Kräfte wirken, ist dies offenkundig nicht der Fall.         

Ja, es muss diskutiert werden
--> über eine Wiederbelebung unserer Gesprächskultur als Grundlage für die
     informative und sachbezogene Meinungsbildung.
     Sie ist in jeder Demokratie ein dauerhafter, ja, anspruchsvoller Prozess
     zwischen den Parteien und den Wählern zur Klärung unterschiedlicher
     Grundpositionen, auch Werte genannt.
     Zur Meinungsbildung gehört Streit, auch heftiger, emotionaler Streit.
     In diesem Sinne ist Streit immer das Suchen nach optimalen Lösungen.
     Meinungsbildende Debatten brauchen ein Forum, auf dem gemeinsam über
     Haltungen, Regeln und anerkannt Gültiges geredet wird.

--> über den Umgang mit den Fremden. Verliert Deutschland, verliert Europa
     seine Identität, wenn die Zahl der Fremden, die aus anderen Kulturen mit    
     vorwiegend islamischem Hintergrund hier her kommen? Vorbehalte und
     Zurückhaltung verleiten dazu, einfache Antworten auf komplexe Fragen zu 
     geben und Stimmungen anzuheizen. Sie können sich mit Hass vermengen
     und trennen statt zu integrieren. Die ständigen Anschläge auf Flüchtlings- 
     unterkünfte sprechen hier eine bedenkliche Sprache. Ja, es ist richtig und
     unverzichtbar, dass wir von den hierher kommenden Menschen erwarten
     müssen, dass sie unsere Werte akzeptieren.
     Dann müssen wir den Fremden auch die ungestörte Bewegungsfreiheit
     ermöglichen, damit die Basis für ein friedvolles Miteinander gelegt werden
     kann. Abgrenzungen und das zeichnen von Feindbildern passen nicht dazu.
     Dies zeigt uns, dass es sich über die Fremden leichter sprechen lässt als 
     über das Eigene.
Darum ist dem Appell des erwähnten Chefredakteurs der Zeitschrift „Politische Meinung“ zuzustimmen.    

Angela Merkel wurde im Sept. 2015
bei einem Besuch in der Schweiz gefragt,
wie sie Europa vor der Islamisierung schützen würde?
Darauf antwortete sie u. a.:    
       „Haben wir doch bitteschön auch die Tradition,
         mal wieder in den Gottesdienst zu gehen
         oder ein bisschen bibelfest zu sein.“
Dafür wurde sie kritisiert, weil Kirchgang und Bibellesen ja nicht das politische Handeln ersetzen.
Dennoch hat die Bundeskanzlerin einen wichtigen Punkt angesprochen.
Es tut Not, dass sich die deutsche und europäische Gesellschaft wieder auf ihre Wurzeln besinnen, auf ihre Grundlagen, auf die unsere und die europäischen  Werte beruhen. Und das Christentum ist dabei eine ganz maßgebliche Größe. Nur ist das aus dem öffentlichen Bewusstsein fast verschwunden. Dies beweist:  
               In Deutschland wird viel über Religion(en)
               geredet und geschrieben,
               aber immer weniger gewusst. 
Das trifft noch mehr auf die Weltreligionen zu, die weltpolitisch immer stärkere Beachtung finden und einen wesentlichen Teil der politischen Grundwertede- batte ausmachen. Hier wartet auf die Politikvermittlung eine dringende Aufgabe, wenn eine gewisse Sprachunfähigkeit in Religionsbetrachtungen überwunden werden soll.

Werte müssen gelebt werden
Es fällt auf, dass, ausgelöst durch die Flüchtlingsdebatte, wieder mehr und mehr über Werte gesprochen und geschrieben wird.
 
               Würde des Menschen,
               Achtung der international anerkannten Menschenrechte,            
               Gleichberechtigung, Freiheit des Individuums, Demokratie,
               Nächstenliebe, Solidarität, Subsidiarität
               Toleranz gegenüber anderen Meinungen,
               Anerkennung  und  Achtung  der  unterschiedlichen  Religionen 
               und  Lebensstilen 
sind  nur  einige  von  zahlreich zu nennenden Werten, die in Deutschland und europaweit großgeschrieben werden.

A b e r  sie bleiben
theoretisch und beziehungslos, wenn sie nicht im Dialog
vertieft und sichtbar gemacht werden.
Welche Bedeutung haben sie tatsächlich für ein gelingendes Miteinander im alltäglichen Leben? Für diese Werte eintreten kann nur, wer sie mit Leben füllen kann und will. Dies ist eine wesentliche Voraussetzung, wenn Integration gelingen soll. Denn wie sollen die Menschen, die integriert werden wollen und sollen, von unseren Werten erfahren, wenn wir sie verschweigen und wir uns nicht dazu bekennen, vielleicht nicht zu beschreiben wissen?




aktualisiert von Hans Bleckmann, 19.02.2017, 04:36 Uhr