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31.01.2012, 12:06 Uhr
EAK und Soziale Marktwirtschaft - was verbindet sie?
„Die soziale Marktwirtschaft kam durch Ludwig Erhard in aller Munde, aber nur wenige verstanden sie“. So urteilte bereits vor Jahren der Wissenschaftler Professor Theodor Eschenburg. Dieses Urteil drückt aus, dass die Grundzüge der Sozialen Marktwirtschaft weithin unbekannt geblieben sind, zuwenig inhaltlich begründet wurden, ja, nach mehr als 60 Jahren zu verblassen scheinen.
Um die Grundzüge der Sozialen Marktwirtschaft verstehen zu können,  bedarf es der fortdauernden Beschäftigung mit ihren Prinzipien. Die Soziale Marktwirtschaft ist grundsätzlich an sozialethischen Zielen ausgerichtet. So gesehen gibt es enge Diskussionsverbindungen des EAK mit dem politischen Sachgebiet der Sozialen Marktwirtschaft.

Nicht zuletzt auch deshalb, weil aus dem Raum der Kirchen immer wieder Vorbehalte vorgetragen und kritische Anfragen gestellt werden. Hier sieht sich der Evangelische Arbeitskreis zum Dialog über die ethischen Grundlagen der Sozialen Marktwirtschaft aufgerufen.

Theologisches Denken einerseits und die ökonomische – auch teilweise politische - Sicht andererseits erweisen sich offensichtlich als unvereinbare Gegensätze. Kreise der Theologie sprechen sich für Änderungen am System aus und halten sie für möglich, im Gegensatz zu den Auffassungen aus Teilen der Politik und der Ökonomen. Beide Kontrahenten gehen dabei von einem unterschiedlichen Menschenbild aus.

Gewisse theologische Kreise  möchten, dem Menschenbild ihrer Vorstellung zufolge,  den Menschen ändern und halten dies auch für umsetzbar. Sie scheinen den Menschen für gut, unfehlbar und lenkbar zu halten.  Ihnen schwebt eine gerechte bzw. eine gerechtere Wirtschaftsordnung vor, was immer das bedeuten mag.  Zu konkreten alternativen wirtschaftspolitischen Maßnahmen und Anreizmechanismen lassen sie sich nicht aus.  Natürlich sind von den Kirchen keine Lösungsvorschläge zu erwarten, dazu reicht deren Detailwissen nicht aus.
Dennoch lassen ihre Verlautbarungen gewisse ökonomische Vorstellungen  erkennen, die auf theologischem Denken beruhen. Darüber wird immer wieder zu sprechen sein.     

Ökonomen dagegen orientieren sich an der Praxis und nehmen den Menschen wie er ist. Sie sehen und akzeptieren ihn als „Egoisten“ der in seinen Entscheidungen selbst bestimmend  sein und bleiben will. Somit vertreten Teile der Politik und der Ökonomie eine den theologischen Vorstellungen entgegen gesetzte Wirtschaftsordnung.

Die wirtschaftspolitischen Vorstellungen der Kirchen konzentrieren sich auf die Verteilungsgerechtigkeit und hier insbesondere auf Armutsbekämpfung, auf ein ihnen prekär erscheinendes Sozialgefälle, ausgelöst vor allem auch die Arbeitslosigkeit und dergleichen mehr. Sie fragen ob die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft heute noch unserer christlich – abendländischen Ethik gerecht werden. Damit rücken sie den Tatbestand der Armut in den Mittelpunkt der Kritik. Es ist immer auch zu untersuchen, wie Menschen der Armut entkommen können. Dies ist allein mit populären Forderungen nach mehr Umverteilung nicht zu erreichen.
 
Es ist immer auch zu beachten, dass das zu Verteilende erst einmal geschaffen werden muss. Ein Kuchen kann bekanntlich erst dann verteilt werden wenn er gebacken ist.  

Anzuerkennen ist selbstverständlich, dass es den Kirchen um den Menschen geht und um die Wahrung seiner Würde, seiner Teilnahme am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben. Mit Ihren Stellungnahmen und Verlautbarungen erheben die Kirchen ihre Stimme zu Gunsten der Benachteiligten, der Sozial Schwachen, den Armen. Unbestritten ist und bleibt es das Recht und die Pflicht der Kirchen, ihre mahnende Stimme zu Gunsten dieses Personenkreises unserer Gesellschaft zu erheben.  Jedoch kann nicht daran vorbei gesehen werden, dass das Wohl dieser Menschen nicht ohne marktwirtschaftliche Instrumente zu erreichen ist.  Eine ideale Gesellschaft mit einer gerechteren Wirtschaftsordnung, wie sie in manchen kirchlichen Dokumenten für machbar gehalten werden, ist bei realistischer Einschätzung der Sozialen Marktwirtschaft nicht so einfach zu haben.

Bei der Vielfalt der unterschiedlichsten Beurteilungskriterien über die Grundprinzipien der Sozialen Marktwirtschaft bei gleichzeitig sich verändernden internationalen Bedingungen und zugleich unzureichendem Grundlagenwissen über ethische Gesichtspunkte  dieser Wirtschaftsform sind beide Seiten – Politik und Kirche - auf die gegenseitige an der Sache orientierte Dialogbereitschaft angewiesen um eine Verständigung  der Wirtschaftswertebasis zu erreichen. Die Anregungen und Kritiken, die Problemanzeigen der Kirchen sind und bleiben erwünscht.  So sieht sich  der Evangelische Arbeitskreis in der CDU/CSU als Ansprech– und Dialogpartner zwischen den Unionsparteien und den verschiedenen kirchlichen Einrichtungen und Verbänden, die sich mit Fragen der Sozialen Marktwirtschaft konfrontiert sehen.




aktualisiert von Hans Bleckmann, 31.01.2012, 12:12 Uhr