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07.02.2011, 14:49 Uhr
Christenverfolgung – Missachtung der Religionsfreiheit
Der Bundesvorsitzende des Evangelischen Arbeitskrieses, Thomas Rachel
schreibt in unserer Zeitschrift „Evangelische Verantwortung“ zum Thema:
Christenverfolgung - Religionsfreiheit im Editorial:
 
Liebe Leserin, lieber Leser,
das Jahr 2011 begann mit einer schrecklichen Nachricht: Muslimische
Terroristen richteten nach dem Neujahrsgottesdienst koptischer Christen in
Alexandria ein fürchterliches Blutbad unter den Gottesdienstbesuchern
an: Am Ende waren 23 Todesopfer zu beklagen. Dieser grausame Anschlag
ist aber kein bloßer Einzelfall. Er reiht sich vielmehr ein in eine lange Kette
von Verfolgungen, Diskriminierungen, Demütigungen und
Benachteiligungen der alteingesessenen, christlichen Minderheiten im
gesamten Orient. Radikale und fundamentalistische Islamisten in aller
Welt erzeugen ein fatales Klima von Hass, Gewalt und Terror und strafen
damit all diejenigen ihrer friedfertigen Glaubensgeschwister Lügen, die
immer wieder betonen, dass die Ausübung des Islam doch eigentlich
„Friede" bedeute.
Die Realität spricht leider vielerorts eine andere Sprache: In zu vielen
muslimischen Ländern dieser Welt werden die universalen Menschenrechte
nicht geschützt, werden Minderheiten verfolgt, benachteiligt oder ihrer
elementaren Religionsfreiheitsrechte beraubt. So auch in Ägypten: Schon
seit vielen Jahren wird die Situation der Kopten, die gerade einmal 10% der
ägyptischen Gesamtbevölkerung ausmachen, immer bedrängender. Im vergangenen
Jahr wurden in Oberägypten bereits mehrere Christen direkt vor
ihrer Kirche erschossen. Polizei und Behörden sind oft ebenfalls keine Hilfe,
Benachteiligungen in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens sind längst
an der Tagesordnung.
In vielen Regionen der Welt sind Christen mit dem Leben bedroht. Es ist
erschreckend, wie wenig das die deutsche Öffentlichkeit beunruhigt. Das ist
auch ein Zeichen dafür, dass wir unsere eigenen Werte und Traditionen und
damit uns selbst nicht achten.
So richtig es ist, diesen wie auch die vielen anderen schändlichen
Terroranschläge im Namen der Menschlichkeit aufs Schärfste zu verurteilen,
so wichtig ist es auch, dass die muslimischen Gesellschaften selbst endlich
einen deutlichen Rich-tungs- und Mentalitätswandel hin zu einer
zeitgemäßen, freiheitlichen und toleranten Form der Religionsausübung
vollziehen.
Die Zukunft des Islam als Weltreligion wird sich an dieser Frage
geschichtlich einmal entscheiden. Das wissen auch alle wirklich frommen,
freiheitlich engagierten und friedliebenden Muslime auf der ganzen Welt:
Ihre Stimmen sind es darum auch, die wir jetzt überall verstärkt benötigen,
um der verheerenden Botschaft von Hass und Menschenverachtung im
Namen eines pervertierten Religionsverständnisses gemeinsam Einhalt zu
gebieten.
Im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützen
wir nun, dass „Islamische Studien" an deutschen Universitäten errichtet
und künftig auch Imame hier ausgebildet werden. Das ist wichtig, denn
wenn der Islam an den Universitäten wissenschaftlich arbeitet, setzt er sich
mit den anderen Wissenschaften und unserer durch die Aufklärung
geprägten Kultur auseinander. Ein Islam, der in unserem „Haus der
Wissenschaften", den deutschen Universitäten, mit den verschiedenen
Fakultäten gesprächsfähig ist, verankert sich auch in unserer Gesellschaft.
All denjenigen, die - wo auch immer auf der Welt - einen „Kampf der
Kulturen" anheizen wollen und das Ziel des friedlichen Miteinander der
Religionen und Kulturen zerstören wollen, muss entschieden
entgegengetreten werden. Christen, Juden und Muslime stehen dabei in
einer ganz besonders herausgehobenen, historischen Verantwortung. Denn
ohne den Frieden der Religionen - frei nach dem berühmten Diktum Hans
Küngs -ist letztlich auch nicht der Friede in der Welt zu sichern. Dass sich
auch angesichts weiterer, angedrohter Terroranschläge auf koptische
Gottesdienste engagierte Vertreter der drei großen Weltreligionen in vielen
Ländern, so auch in Deutschland, gemeinsam solidarisiert haben, empfand
ich als einen ausgesprochen hoffnungsvollen Beitrag zur weiteren
Verständigung und zum Dialog.
Die Jahreslosung für 2011 aus Römer 12,21 mahnt uns als Christen, dass
wir uns nicht vom Bösen überwinden lassen, sondern stattdessen das Böse
mit dem Guten überwinden sollen. Gerade beim uns so bewegenden Thema
der Christenverfolgung und des Einsatzes für die universalen
Menschenrechte auf der ganzen Welt muss dieses auch der Kompass für
unsere christlich-demokratische Verantwortung in Politik und Gesellschaft
sein: Das entschiedene Entgegentreten gegen all das, was unsere
freiheitlich-demokratische Grundordnung und unsere Werte bedroht, muss
stets mit der Vernunft, dem Augenmaß und der Weisheit gepaart werden,
die von der Liebe weiß, die größer ist als diese Welt und die diese schon
immer überwunden hat.
Gottes Segen!
I Thomas Rachel MdB
I Bundesvorsitzender des EAK der CDU/CSU
 
aktualisiert von Hans Bleckmann, 17.03.2011, 14:51 Uhr